Gibt es in Bayern eine generelle Leinenpflicht?
Nein, in Bayern gibt es keine generelle Leinenpflicht für alle Hunde im gesamten Bundesland.
Stattdessen gilt: Die Gemeinden können Regeln erlassen, wenn dies zum Schutz von Menschen, Tieren, Eigentum oder der öffentlichen Reinlichkeit erforderlich ist. Dabei geht es vor allem um öffentliche Anlagen, Wege, Straßen und Plätze. Das bayerische Recht verlangt zugleich, dass solche Regelungen an die örtlichen Verhältnisse angepasst werden und auch das Bewegungsbedürfnis der Hunde berücksichtigt wird.
Das ist der Grund, warum die Leinenpflicht in Bayern häufig wie ein Flickenteppich wirkt. Rechtlich ist das gewollt: Eine Großstadt mit dichtem Fußgängerverkehr braucht andere Vorgaben als eine ländliche Gemeinde mit viel Freifläche.
Welche Rechtsgrundlage gilt in Bayern?
Die zentrale Vorschrift ist Art. 18 des Bayerischen Landesstraf- und Verordnungsgesetzes (LStVG).
Danach können Gemeinden per Verordnung das freie Umherlaufen von großen Hunden und Kampfhunden auf öffentlichen Straßen, Wegen, Plätzen und in öffentlichen Anlagen einschränken. Zusätzlich dürfen Gemeinden im Einzelfall auch gegenüber einzelnen Hunden Anordnungen treffen, wenn dies zum Schutz der Allgemeinheit notwendig ist.
Wichtig ist deshalb die Unterscheidung:
- Keine allgemeine landesweite Leinenpflicht
- Aber: örtliche Regeln der Städte und Gemeinden können sehr wohl Leinenpflicht vorsehen
- Und: im Einzelfall kann die Behörde auch für einen bestimmten Hund eine Anleinpflicht oder weitere Auflagen anordnen
Was bedeutet das praktisch für Hundehalter in Bayern?
Für die Praxis lässt sich die Lage in Bayern so zusammenfassen:
- Auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen und in Parks gilt nicht automatisch überall Leinenpflicht.
- Viele Gemeinden regeln aber bestimmte Bereiche gesondert, zum Beispiel Grünanlagen, Spielplatznähe, Fußgängerzonen oder Veranstaltungen.
- Besonders häufig betreffen kommunale Regeln große Hunde und Kampfhunde.
- Zusätzliche Verbote oder Leinenpflichten ergeben sich oft direkt aus der Beschilderung vor Ort.
- Wer unsicher ist, sollte nicht raten, sondern kurz auf die Hinweise der Gemeinde oder des Ordnungsamtes schauen.
Gerade in Bayern gilt also: Nicht der Hundebesitzer mit dem besten Gefühl hat automatisch recht, sondern derjenige, der die örtliche Regelung kennt.
Leinenpflicht in Bayern: Beispiele aus wichtigen Städten
Die folgenden Beispiele zeigen gut, wie unterschiedlich die Vorschriften innerhalb Bayerns sein können.
Leinenpflicht in München
München verfolgt keinen generellen Leinenzwang für das ganze Stadtgebiet. Nach der städtischen Hundeverordnung gilt vielmehr grundsätzlich Freilauf, soweit keine besondere Regel etwas anderes bestimmt.
Allerdings gibt es in München mehrere wichtige Ausnahmen. Für alle Hunde gilt ein Betretungsverbot zum Beispiel auf Kinderspielplätzen sowie auf bestimmten Flächen städtischer Grünanlagen. Für alle Hunde gilt außerdem Leinenpflicht im Westpark und auf bestimmten Wegen in Grünanlagen.
Für große Hunde gelten in München zusätzliche Pflichten, etwa innerhalb des Altstadtrings, in Fußgängerzonen, in verkehrsberuhigten Bereichen, bei Märkten, Festen und Veranstaltungen, in unmittelbarer Nähe von Kinderspielplätzen sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen. Als groß gelten erwachsene Hunde ab 50 cm Schulterhöhe; Schäferhund, Boxer, Dobermann und Deutsche Dogge werden in München unabhängig von der individuellen Größe als große Hunde behandelt.
Leinenpflicht in Nürnberg
Nürnberg ist deutlich konkreter geregelt. Dort besteht für alle Hunde Leinenpflicht in Grünanlagen außerhalb ausgewiesener Hundefreilaufzonen, auf Wochen- und Jahrmärkten sowie in bestimmten Naturschutzgebieten.
Für Hunde ab 50 cm Schulterhöhe gilt darüber hinaus Leinenpflicht in ausgewiesenen Fußgängerzonen, verkehrsberuhigten Bereichen, innerhalb des Altstadtrings und in der Königstorpassage. Für Kampfhunde gilt in Nürnberg sogar eine generelle Leinenpflicht im gesamten Stadtgebiet.
Leinenpflicht in Augsburg
Augsburg geht einen anderen Weg. Dort gibt es nach Angaben der Stadt keine generelle Leinenpflicht. Ausnahmen sind nach der städtischen Information vor allem durch Schilder gekennzeichnet.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum pauschale Aussagen wie „In Bayern müssen Hunde innerorts an die Leine“ problematisch sind. Schon innerhalb großer Städte gibt es erhebliche Unterschiede.
Leinenpflicht in Regensburg
Auch Regensburg zeigt, wie stark die örtliche Regelung ins Gewicht fällt. Nach Angaben der Stadt dürfen Hunde im größten Teil des Stadtgebiets ohne Leine laufen.
In öffentlichen Grünanlagen gilt jedoch grundsätzlich ein Leinengebot – ausgenommen die ausdrücklich ausgewiesenen Hundefreilaufflächen. Auf öffentlichen Spielanlagen besteht sogar ein generelles Hundeverbot. Wer also mit Hund in Regensburg unterwegs ist, sollte besonders auf die konkrete Fläche achten.
Wann gelten in Bayern besondere Regeln für große Hunde oder Kampfhunde?
In Bayern spielt die Unterscheidung zwischen normalen Hunden, großen Hunden und Kampfhunden rechtlich eine wichtige Rolle.
Nach Art. 18 LStVG dürfen Gemeinden vor allem das freie Umherlaufen von großen Hunden und Kampfhunden einschränken. Deshalb beziehen sich viele kommunale Leinenpflichten gerade auf diese Gruppen.
Für Kampfhunde gilt in Bayern zusätzlich die Verordnung über Hunde mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit. Dort werden bestimmte Rassen unmittelbar genannt. Zu den Hunden, bei denen die Eigenschaft als Kampfhund stets vermutet wird, gehören insbesondere:
- Pit-Bull
- Bandog
- American Staffordshire Terrier
- Staffordshire Bullterrier
- Tosa-Inu
Bei weiteren Rassen wird die Kampfhundeeigenschaft vermutet, solange nicht im Einzelfall etwas anderes nachgewiesen wird. Dazu gehören unter anderem:
- American Bulldog
- Bullmastiff
- Bullterrier
- Cane Corso
- Dogo Argentino
- Dogue de Bordeaux
- Fila Brasileiro
- Mastiff
- Mastino Napoletano
- Perro de Presa Canario / Dogo Canario
- Perro de Presa Mallorquin
- Rottweiler
Außerdem kann ein Hund auch im Einzelfall als gefährlich eingestuft werden, wenn seine Ausbildung auf gesteigerte Aggressivität oder Gefährlichkeit ausgerichtet war.
3 Kommentare
Leinenpflicht ist sinnvoll? Wer denkt sich denn sowas aus?
1. ist eine Flexileine oder Schleppleine nicht ausreichend, um die Leinenpflicht zu erfüllen. Da darf die Leine meist nicht länger als 2m sein. Damit ist eine sinnvolle Bewegung nicht möglich. Spielen von Hunden und Sozialkontakte sowieso nicht. Das schließt artgerechte Haltung aus, obwohl diese im Tierschutzgesetz gefordert wird.
2. sind die meisten Leinenfiffis völlig unerzogen, schlecht sozialisiert und unausgelastet. Die Gefahr, dass so ein Hund beisst ist um ein vielfaches höher als ein gut erzogener, ausgelasteter Hund mit täglichen Sozialkontakten.
3. Die Verschärfung der Hundeverordnung in der Stadt München war die Folge eines Beissvorfalls. Der beissende Hund war aber an der kurzen Leine auf einem Markt. Leinenzwang hätte also überhaupt nichts an dem Unfall geändert. Sowas fällt unter Volksverdummung. Man stellt sinnlose Gesetze auf, um der Bevölkerung das Gefühl zu geben, sie zu schützen.
4. der einzig echte Schutz für Menschen wäre a ein Angebot für Hundephobiker, ihre Angst in den Griff zu bekommen und ihnen eine echte Anleitung zu geben, wie man sich bei unerwünschtem Kontakt mit Hunden schützen kann. b ein Schulfach in der Grundschule und gern auch nochmal später, wo man Haustiere (auch Weidetiere) unterrichtet und wie man sich bei Kontakt korrekt verhält. Die Rinder auf der Alm sind nämlich auch nicht ohne, wenn der Mensch Fehler macht. Weiß ich aus eigener Erfahrung und die Schuld lag nicht beim Rind! c ein Hundeführerschein für jeden neu angeschafften Hund, nicht nur für Anfänger und die Prüfung macht ein neutraler Prüfer, nicht die Hundeschule oder der VDH, denn da steckt zu viel Eigeninteresse drin. Jeder Hund muss mit 1-2 Jahren eine Prüfung ablegen, jeder Hundehalter schon vor Anschaffung einen Theorietest. Vorteil: Mancher würde sich gar keinen Hund anschaffen, wenn er wüsste, was da an Arbeit und Kosten auf ihn zu kommt. Wenn das zur Folge hätte, dass weniger Hunde gehalten werden, wäre das sicher auch von Vorteil. Ich liebe Hunde und es tut mir unendlich weh, wenn ich sehe, wie viele Hunde nur kurz an der Leine um den Block gezerrt werden. Immer allein eingesperrt, weil der Besitzer arbeitet oder Party macht. Und bei der Haltung soll ein Tier entspannt, leichtführig und lieb sein? Vielleicht sollte man solche Besitzer mal eine Woche ohne Bücher, zeitung, Fernseher, Handy und Computer einsperren und auch nur zweimal kurz aufs Klo lassen. Wie aggressiv würden wohl Menschen bei so einem Leben?
alles was Nina schreibt kann ich nur unterschreiben, mein Hund hört besser, als die angeleinten bei Fuß Läufer, die nicht sie selbst sein dürfen, vor allem aber kein Hund
und wenn ein Hund nur noch die Grundbedürfnisse befriedigt und sich nicht mal mehr umschaut beim dreimal täglich die gleiche Runde laufen, dann ist das wohl viel schlimmer, als in einem Käfig auf ein neues Zuhause zu warten
und wenn ich dann immer dieses „anhängen, des is Pflicht, des steht auf dem Schild da vorn“ hören muss, ja nicht selbst denken, hauptsache es gibt 5000 Regeln dafür, damit der Affe im Kopf schön viel Platz hat, weil man muss nicht selbst denken oder etwas überdenken/hinterfragen, weil es gibt andere, die mir das abnehmen
und mein Hund ist täglich happy und zeigt es mir und braucht es auch mal zu Rennen und vor allem andere Hund zu treffen
Die Menschen, die immer ihre Hunde von allem weghalten sollten mal eine Woche keinen Menschenkontakt haben und dann sagen wie toll sie das fanden.
Ich finde auch, dass die Leinenpflicht überdacht und überarbeitet werden sollte, denn das Problem sind nicht die Hunde, meistens jedenfalls, kein Welpe kommt auf die Welt und denkt sich „der schaut ja zum Anbeissen aus, den zerfetz ich jetzt mal schnell“
Wenn wir schon eingeschränkt sind in unserem Leben durch die Umstände, die es eben so gibt, dann muss ich das den Tieren nicht auch noch antun, die nur glücklich und frei sein wollen.
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